Folge 14: „De Kärcheköppel“

„Et Laijemöbbesje erzählt“

„De Kärcheköppel“

Gude ihr Leut,

bereits seit zwei Jahren kann ich von meiner Laijemöbbesje-Wohnung in der alten Wingertsmauer aus ein reges Treiben auf dem Kesterter Kirchköppel (umgangssprachlich „Kärcheköppel“) feststellen.

Was wird da nicht alles gemacht: Rodungsarbeiten, Pflanzaktionen von Kirschbäumen und Weinreben, Aufstellen von Sitzbänken, Martinsfeuer, Grünschnitt- und Pflegearbeiten, usw., usw. Nachdem die Fläche über Jahrzehnte in einer Art „Dornröschenschlaf“ gelegen hat, sind all diese Aktivitäten von einer belebenden Frische, die so ganz nach meinem Geschmack ist. Vor allem finde ich es schön, dass sich viele Menschen aus Kestert an den Aktionen beteiligt haben, und hoffentlich auch weiterhin beteiligen werden. Mir scheint es, als wäre der Köppel sogar zu einem richtigen Begegnungspunkt für viele Einwohner von Kestert geworden.

In meinen Erinnerungen hat der Kirchköppel schon einiges erlebt und gesehen. Wahrscheinlich ist es sogar einer der ältesten Kulturpunkte der kleinen Rheingemeinde Kestert. Da waren zunächst die Römer, die auf der markanten Bergspitze ein erstes Heiligtum errichteten. Ob dieses bereits auf einem vorchristlichen, heidnischen Tempelbau gründete konnte zwar bisher nie vollständig belegt werden, wäre aber denkbar. Von der Römerzeit legten auch einige Münzen Zeugnis ab, welche Anfang des 20. Jahrhunderts dort bei Pflanzarbeiten gefunden wurden. Leider haben diese geschichtlichen Zeugnisse 1945 in der Tasche eines amerikanischen Besatzungssoldaten ihren Weg als Souvenir nach Amerika gefunden.

Unmittelbar nach der Römerzeit entstand auf dem Kirchköppel die erste Kesterter Kirche als Vorgängerbau der heutigen Kirche in der Dorfmitte. Rund um dieses frühe Gotteshaus befand sich seinerzeit auch der erste Friedhof der Gemeinde. Menschliche Gebeine, die in den späteren Jahrhunderten immer wieder auf dem Gelände gefunden wurden, fanden eine würdige Ruhestätte in einer kleinen Gruft unter dem ehemaligen Heiligenhäuschen, welches seinen Platz auf der Fuhrwegseite des Kirchköppels hatte, und heute leider nicht mehr vorhanden ist.

Die Steine des ersten Kesterter Gotteshauses fanden dann erneut Verwendung beim Bau der heutigen St. Georgs-Kirche, die im Jahr 1779 eingeweiht wurde. Überliefert ist auch die Herkunft des Spitznamens, der die Bewohner von Kestert als „Kesterter Plattköpp“ betitelt. Da der Eingang des kleinen Kirchleins auf dem gleichnamigen Köppel so niedrig war, stießen viele Leute mit dem Kopf am Türsturz an. Lustig, wo so mancher Spitzname seinen Ursprung hat.

Nach dem Abbruch der alten Kirche, wurde der Köppel dann bis in die 1970er Jahre wechselweise als Wingert oder Obstplantage genutzt. Nach seinem Brachfallen in den 1980er Jahren war es der neugegründete Heimatverein, der 2015 mit Unterstützung zahlreicher Bürgerinnen und Bürgern aus Kestert mit der Freilegung der dortigen Flächen begann. Heute kann sich der Kirchköppel wieder  sehen lassen. Wie ich finde ist es ein wunderschönes, grünes Kleinod, und es war sicherlich nicht die letzte Veränderung, die dort stattgefunden hat.     

Etwas befremdlich, für so ein kleines Laijemöbbesje, sind nur die Ereignisse der letzten Tage. Da wurden von einigen, anscheinend vor Schaffenskraft strotzenden Personen, die neu angebrachten Hinweisschilder zum benachbarten „Jerribach-Pfad“ verbogen, und die untere Stützwand zur Unterführung an der Eisenbahnstraße mit unflätigen „Malereien“ verziert. 

Liebe Mitmenschen, die ihr eure Energie in solch unnützen Maßnahmen vergeudet: Beteiligt euch doch besser an einer der mehrmals im Jahr stattfindenden Arbeitseinsätze auf dem Kirchköppel! Der Dank und die Anerkennung der restlichen Bürgerinnen und Bürgern wären euch sicherlich gewiss. 

Und denkt immer dran: „Der liebe Gott sieht alles!“  

In diesem Sinne…

Ich hoffe sie belieben mir treu. 

 

Ihr Laijemöbbesje