Folge 6: „Der Großbrand“

„Et Laijemöbbesje erzählt“

„Der Großbrand“

Gude ihr Leut,

jeden dritten Samstag im Monat, werde ich gegen halb eins in meiner Laijemöbbesje-Wohnung von einem langen und durchdringenden Heulton aus meinem wohlverdienten Mittagsschlaf geweckt. Nach dem ersten Schrecken, lehne ich mich stets entspannt zurück; denn bei dem Ton handelt es sich um den wohlbekannten Probealarm der Feuersirene. Dabei gibt es diese Art der Alarmierung erst seit einigen Jahrzehnten. Noch vor 80 Jahren wurde das Feuersignal von einem Trompeter mit dem Signalhorn geben. Das ganze Dorf durchschreitend rief er die männlichen Einwohner von Kestert im Falle eines Feuers zusammen.

So war es wohl auch am 27. Dezember des Jahres 1852, als ein Großbrand fast das gesamte Mitteldorf in Schutt und Asche legte. Es war mittags gegen 1 Uhr, als der Ruf entstand: „Es brennt“. Innerhalb von nur 10 Minuten standen bereits 6 Häuser in Flammen. Die enge Bebauung im Mitteldorf begünstigte die Ausbreitung des Feuers ungemein. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine eigenständige Feuerwehr in Kestert existierte, wurde die Kunde von dem Großbrand durch zwei Dampfschiffe, eins zu Berg und eins zu Tal, in den Nachbargemeinden verbreitet. In wenigen Stunden kamen zehn Feuerspritzen an der Brandstelle zusammen, welche schließlich das Feuer mit aller Macht ablöschten. Aus den zerstörten Häusern konnte nichts mehr gerettet werden. Möbel, Hausrat, Vorräte an Holz und Stroh und auch mehrere Fässer Wein wurden ein Raub der Flammen.

Die Not war groß! Mehrere Familien hatten mitten im eisigen Winter ihr Obdach verloren. Nur durch das tatkräftige Zupacken des ganzen Dorfes konnten die schlimmsten Folgen überwunden, und ein Teil der Häuser wieder aufgebaut werden. Im Jahr 1876 wurde dann schließlich die Freiwillige Feuerwehr Kestert gegründet. Von meiner Wingertsmauer herab ist es beruhigend zu sehen, wie die Frauen und Männer der Feuerwehr bei Unglücksfällen aller Art ausrücken, um überall dort zu helfen wo ihre Hilfe benötigt wird. Wenn die Sirene sie ruft, sind sie da. Und noch etwas anderes kann ich von hier oben  beobachten: Auch die Einwohner von Kestert halten in Freud und Leid zusammen, und helfen sich gegenseitig; damals wie heute. Dies macht mich froh.

In diesem Sinne… Ich hoffe Sie bleiben mir treu.

Ihr Leijemöbbesje    

 

Heimatverein Kestert 2015 e.V.