Folge 11: „Die Barrier“

„Et Laijemöbbesje erzählt“

„Die Barrier“

Gude ihr Leut,

vor wenigen Tagen konnte ich zufällig ein Gespräch zwischen einer Mutter und ihren beiden Kindern mithören. Die „Pännz“ waren wieder einmal zu spät vom Spielen nach Hause zurückgekehrt, und hatten die ihnen zugestandene „Ausgangszeit“ großzügig überschritten, was folglich einige Sanktionen nach sich zog.

Innerlich musste ich anlässlich dieser Begebenheit doch etwas lächeln. Während die Kinder heute den Vorhaltungen der Mutter schutzlos ausgeliefert sind, so gab es doch in früheren Zeiten für die Jungend einige mögliche Ausreden. 

Eine davon war, dass leider ganz zufällig, und genau vor den kleinen Kindernasen, die „Barrier“ heruntergelassen wurde. Wenn jetzt manche mit dem Wort „Barrier“ nichts anfangen können, möchte ich doch schnell erklären dass es sich hier um eine regionale Verballhornung des französischen Wortes „barrière“ handelt, und einen der beiden seinerzeit in Kestert vorhandenen Bahnübergänge meint. 

Diese beiden Bahnübergänge, einmal am Ende der Obergasse und einmal gegenüber der Kirche gelegen, lieferten den Kindern immer eine willkommene Ausrede wenn sie nicht rechtzeitig nach Hause gekommen waren. Man hätte zwar auch einen der vorhanden Durchgänge benutzen können, aber meist hatten die Eltern Verständnis für die durch die angeblich geschlossenen Bahnschranken entstandene Verspätung.  

An einem Dienstag, dem 03.11.1992 wurde schließlich der letzte Übergang, mit der bahninternen Bezeichnung „134 b“, gegenüber der Kirche geschlossen. Damit endete die mehr als 130-jährige Geschichte der Bahnschranken in Kestert. Der Schrankenwärter Alois Niel senkte damals die „Barrier“ zum letzten Mal. Der Bahnübergang an der Obergasse war schon 1990 geschlossen worden.

Vertreter der Bundesbahndirektion Frankfurt, der damalige Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, Günter Kern, der damalige Ortsbürgermeister Dorn und andere Honoratioren feierten das Ereignis. Doch die Kinder indes mussten sich nun eine neue Ausrede für die entstandenen Verspätungen nach dem Spielen ausdenken.  Aber in solchen Sachen, sind Kinder bekanntlich erfinderisch.

In diesem Sinne… Ich hoffe Sie bleiben mir treu.

Ihr Leijemöbbesje    

 

Heimatverein Kestert 2015 e.V.