Folge 17: „Das Kriegsende“

„Et Laijemöbbesje erzählt“

„Das Kriegsende“

Gude ihr Leut,

in meinem langen Laijemöbbesje-Dasein habe ich schon manches erlebt. Viele schöne Augenblicke, aber auch viele traurige und dramatische Stunden sind an den alten Wingertsmauern meiner Kesterter Heimat vorbeigezogen.

In diesen Tagen, vor nunmehr 72 Jahren war das sonst so beschauliche Rheintal vom Donner der Geschütze einer sich nähenden Front erfüllt. Der zweite Weltkrieg neigte sich seinem Ende entgegen, als am späten Nachmittag des 16. März 1945 die ersten amerikanischen Panzer auf der Hirzenacher Höhe erschienen, und die Kesterter Gemarkung unter Beschuss nahmen. Eines ihrer ersten Opfer war der deutsche Hauptmann Lange, der bei dem Versuch nach St. Goarhausen zu kommen, in Höhe der Pulsbach in seinem Wagen erschossen wurde. Die rund um Oberkestert stationierten deutschen Flakgeschütze erwiderten das amerikanische Feuer nur kurz, und zogen sich dann aufgrund der feindlichen Übermacht schleunigst in Richtung Prath zurück. Viele Einwohner von Oberkestert waren zunächst in einen selbstgegrabenen Bunker in der Pulsbach geflüchtet, wurden aber später dort vertrieben und fanden schließlich Unterschlupf in Kestert.

Vereinzelt versuchten noch deutsche Soldaten Widerstand zu leisten. So war da auch ein junger Leutnant, der sich in einem alten Wingertshäuschen in der Werschbach versteckt hatte, um von dort aus amerikanische Soldaten auf der anderen Rheinseite zu beschießen. Fast hätte dieses Wagnis mit schwerem Artilleriebeschuss auf Kestert geendet. Denn die Amerikaner wussten nicht woher das Feuer kam. Nur durch die „Überredungskunst“ einiger Kesterter Männer konnte der junge Leutnant von seinem Vorhaben abgebracht, und zur Flucht in Zivilkleidern „überredet“ werden.

Am 26. März 1945 gegen 16:00 Uhr war es dann soweit. Von Kamp kommend zogen Soldaten der 89. US-Infanteriedivision der „Task Force Johnson“ in Kestert ein. Der Krieg war damit für den kleinen Ort zu Ende. Mehrere Einwohner und Soldaten waren während der zehntägigen Kämpfe gestorben. 

10 Tage, in denen Kestert in der direkten Frontlinie lag. 

Was sich in dieser Zeit alles in dem kleinen Dorf abspielte, würde den Rahmen meines heutigen Berichtes sprengen. Aber wenn Sie mal etwas Zeit mitbringen, und an meiner Wohnung in der alten Wingerstmauer vorbeischauen, dann kann ich ihnen nochmal in Ruhe von den damaligen Ereignissen berichten, und dem was sich dabei alles ereignet hat.

In diesem Sinne… Ich hoffe Sie bleiben mir treu.

Ihr Leijemöbbesje    

 

Heimatverein Kestert 2015 e.V.